Glückssucher

„Als ich aus der Zelle durch die Tür in Richtung Freiheit ging, wusste ich, dass ich meine Verbitterung und meinen Hass zurücklassen musste, oder ich würde mein Leben lang gefangen bleiben.“ Dieser Satz gab dem südafrikanischen Anti-Apartheid-Kämpfer Nelson Mandela nach 27 Jahren Gefangenschaft die Kraft, glücklich in die Zukunft zu blicken. Jeder weiß aus seiner eigenen persönlichen Erfahrung, dass dieser Satz nicht so einfach gesagt werden kann. Denn das würde bedeuten, dass man sich über erlittene Verletzungen und Rachegefühle ausgelöst durch unbedachte Worte, Ärgernisse, Auseinandersetzungen oder gar einen Freiheitsentzug – wie Mandela dies erlebte – einfach hinwegsetzen und dem anderen verzeihen kann. Wie hat Mandela das dann gemacht? Auf diese Frage antwortete er einmal, dass ihn der kleine „Schimmer von Menschlichkeit“ bei seinen Gefängniswächtern stets weiterführte und ihm die Erkenntnis brachte, dass Hass keine dem Menschen von Natur gegebene Empfindung sei. Hass würde erlernt werden und kann daher auch wieder verlernt werden. 

Glücksucher werden Menschen wie Nelson Mandela genannt. Sie lehren uns, wie mit erlittene Beziehungsverletzungen umgegangen werden kann. Glücksucher verfolgen laut einer Studie am Hiram College im US-Bundesstaat Ohio ein unbewusstes Ziel: Beziehungen menschlich zu gestalten. Damit ist ein positives Zusammen-Erleben von Gefühlen und Handlungen mit anderen Menschen gemeint. Um dieses Ziel zu erreichen, bauen Glücksucher aktiv unterschiedliche Glücksaktivitäten in ihrem Leben ein und üben diese immer wieder, wie beispielsweise optimistisch denken, öfters mal Danke sagen und freundlich sein oder sich an glückliche Tage erinnern. Sie tun dies gezielt, diszipliniert und täglich. Keine technische Erfindung wird dies jemals ersetzen können.

Der Beitrag erschien im Magazin NOTOBENE Nr. 4/2018.