Richtig und falsch
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Richtig und falsch

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„Es gibt kein richtiges Leben im falschen.“ So lautet der bekannte Satz vom Sozialphilosph Theodor W. Adorno. Heute im noch so jungen Jahr 2021 könnte der Satz andersherum lauten: „Es gibt kein falsches Leben im richtigen.“ Denn plötzlich tragen wir Masken so selbstverständlich wie Schals, arbeiten von Home-Office aus bei parallelem Homeschooling, haben eine steigende Arbeitslosigkeit und Einkommensverluste und müssen soziales Fasten und sich stets ändernde sozialpolitische Maßnahmen, Gesetze und Verhaltensvorschriften ertragen. Ein Zurück zur Normalität – also ein „Back to normal“ wie es uns als „richtig“ erscheint – gibt es nicht. Stattdessen spielt sich im Hier und Jetzt das richtige Leben ab. Das Leben, was wir jetzt leben, gilt als das Richtige. Woraus sich die naturgemäß die prinzipielle Frage stellt sich, was dann in der Zukunft als richtig oder falsch gelten wird? 

So wenig wie diese Frage beantwortet werden kann, so wenig kann sie mit dem Satz „Wir brauchen jetzt Resilienzkompetenz“ abgetan werden. Umso mehr wird spürbar, dass wir uns in einen neuerlichen „Epochenbruch“ bewegen. Ähnlich wie die Zeit der Aufklärung mit ihrem Streben nach Freiheit und Vernunft sowie das Entstehen eines neuen bürgerlichen Bewusstseins. So wird diese neue jetzt startende Epoche gekennzeichnet sein von der Digitalisierung, Big Data und eHealth. Damit ist nun nicht der technische Fortschritt gemeint, sondern vielmehr der menschliche. Also die kritische Reflexion des eigenen Nutzungsverhaltens steht im Vordergrund. Und damit ebenfalls die Frage, wie die Gesundheit, Menschlichkeit und Leistungsfähigkeit trotz Smartphone erhalten werden kann? Und wie jetzt unter den aktuellen Bedingungen die Selbstbestimmung und ein ausgewogenes Verhältnis von Berufs- und Privatleben zur Gesunderhaltung gefunden werden kann? Eines muss dafür nicht einmal weiter diskutiert werden: Das soziale Band, das uns Menschen verbindet, ist viel zu stark, als dass es durch die Auflösung physischer und sozialer Nähe voneinander getrennt werden könnte. 

Der Beitrag erschien im Magazin NOTOBENE Nr. 1/2021.

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