Empowerment

„Ich kann das Wort „Empowerment“ nicht mehr hören. Was soll denn das bitte bedeuten? Wunderwort für alles, was funktionieren soll? Was man können oder lernen sollte?“ meinte letztens eine Kollegin.

Unter Empowerment werden die „Selbstbefähigung“ und die „Stärkung von Autonomie und Eigenmacht“ verstanden. Es handelt sich um einen Sammelbegriff für alle Arbeitsansätze, die Menschen zur Entdeckung eigener Stärken ermutigt und ihnen Hilfestellungen bei der Aneignung von Selbstbestimmung und Lebensautonomie vermittelt. Das Dänische Institut für Menschenrechte (DIHR) hat in seiner Anleitung für ‚Human Rights Impact Assessments‘ (HRIA) „Empowerment“ sogar unter ihren elf Qualitätskriterien definiert. Also ein hoch angesetzter Begriff – und gleichzeitig hoher Anspruch. Vielleicht wird er deshalb in der Praxis immer öfters dafür mißbraucht, um die erfolgreiche und effiziente Suche nach persönlicher Lebensenergie und Lebenskraft zu beschreiben. „Ich muss das schaffen“! „Ich muss mich frei denken von meinen Sorgen und Ängsten“. „Ich muss mich selbst dazu ermächtigen meine Potenziale zu leben“ oder ganz einfach die innovative Suche nach „Ich muss es anders machen“.So und ähnlich lauten die inneren Antreiber-Sätze dazu. Alle beginnen mit „Ich musss…“. Genau so war das mit dem Empowerment aber nicht gemeint. Leistungsdruck, Stärke, Durchsetzungskraft oder gar Machtbewusstsein und Unmenschlichkeit haben in dem Zusammenhang keinen Platz. Dagegen zähen umso mehr Denkansätze wie „Achtung der Menschenrechte“, „Sorgfalts- und Lösungsansätze“ und „menschliche Unterstützungssysteme“. Nehmen wir ein praktisches Beispiel: Ein Kollege benötigt eine flexiblere Arbeitszeitlösung, um die Betreuung seiner kranken Mutter zu organisieren. Er kann und muss dies nicht alleine lösen. Er benötigt Unterstützung wie Führungskraft, Krankenkassen-Betreuer, Pflegepersonal und Familie dazu, um dies umzusetzen. Das was der Kollege für sich schaffen muss, ist sein Vorhaben so zu artikulieren und kundzutun, dass alle Beteiligten verstehen, dass er in seinem „Empowerment“ Unterstützung benötigt. Also weg vom „Ich“ und hin zum „Wir“. Wir Menschen zählen, keiner kann immer alles alleine schaffen. Die unternehmerische Praxis hierzu entwickelt sich ständig weiter.

Der Beitrag erschien im Magazin NOTABENE Nr. 5/2016.