Weg & Haltung

Worte begleiten mich seit meiner Kindheit. Sie waren früh ein Mittel für mich, um die Welt zu verstehen, Zusammenhänge zu erkennen und innere wie äußere Landschaften zu erkunden. Mein Weg ist geprägt von Neugier, Brüchen und der Suche nach dem, was trägt – auch dann, wenn Gewohntes verschwindet. Ich wurde im Herbst 1966 in Wien geboren. Meine Zwillingsschwester und ich kamen gemeinsam zur Welt, kurz nach der Geburt unseres älteren Bruders. Meine Mutter, eine feinfühlige Friseurin, und mein Vater, ein visionärer Bauunternehmer, vermittelten uns früh Werte wie Sparsamkeit, Ressourcenschonung und einen respektvollen Umgang mit Mensch und Umwelt. Begegnungen mit Persönlichkeiten wie Friedensreich Hundertwasser oder Samy Molcho schärften schon in meiner Jugend meinen Blick für das Zusammenspiel von Gestaltung, Haltung und Verantwortung. Nach der Schule führte mich mein Weg in die Welt der Kommunikation. Ich begann meine berufliche Laufbahn in der Promotion-Abteilung der ARIOLA Bertelsmann Music Group, arbeitete mit internationalen Künstler:innen und Medien und absolvierte parallel den Universitätslehrgang Marketing and Sales an der Wirtschaftsuniversität Wien.

In dieser Zeit verlor ich früh beide Eltern. Diese Erfahrung veränderte meine Perspektive grundlegend. Wie ein plötzlicher Wetterumschwung in offener Landschaft stellte sie eine Frage in den Mittelpunkt, die mich seither begleitet: Was trägt im Leben wirklich? Mit 24 Jahren fand ich eine Antwort im Journalismus. Über mehr als zwei Jahrzehnte arbeitete ich in Verlagsredaktionen. Ich schrieb und gestaltete Beiträge zu Gesundheit, sozialer Verantwortung, Nachhaltigkeit und gesellschaftlichem Wandel. Diese Themen zogen sich wie ein roter Faden durch mein berufliches Leben. In dieser Zeit wurde ich auch Mutter. Das war eine wunderschöne Erfahrung und ist es immer noch, die meinen Blick auf Verantwortung, Zeit und Verbundenheit weiter vertieft hat. Als meine Kinder 12 und 14 Jahre alt waren, übernahm ich während der Weltfinanzkrise die Chefredaktion des Magazins Gesundheit. Das war eine sehr intensive Phase.

Sie forderte mich und öffnete zugleich neue Horizonte. Mit dem von mir gegründeten Magazin Ent-Scheidung setzte ich später eigene publizistische Akzente. Parallel dazu absolvierte ich 2012 das Masterstudium Kommunikation und Management an der Donau-Universität Krems. Meine Abschlussarbeit widmete ich dem Thema Burnout im Management – einem Thema, das mich sowohl beruflich als auch persönlich tief berührt hat. Seither befasse ich mich verstärkt mit Burnout und mit Fragen sozialer Nachhaltigkeit, der Arbeitswelt im Wandel und den Bedürfnissen zukünftiger Generationen. 2015 gründete ich gemeinsam mit meinem Mann Claus Reitan eine Plattform für Nachhaltigkeitskommunikation, 2022 folgte mit meiner Zwillingsschwester der Blog Twin-Impact. Beide Projekte sind Ausdruck meines Wunsches, Entwicklungen sichtbar zu machen, die für unsere Gesellschaft wesentlich sind.

Heute arbeite ich als Beraterin und Coach mit meinem Einzelunternehmen Skills for Future, als Trainerin in Teilzeit am BFI und als freie Journalistin und Autorin. Eine prägende Inspirationsquelle war meine Expeditionsreise in die Arktis im Sommer 2025. Die Weite des Eises, die Stille, das langsame Tempo und das klare Licht wirkten wie ein Spiegel innerer Prozesse. In dieser Landschaft wurde für mich spürbar, was auch mein berufliches Arbeiten prägt: Orientierung entsteht nicht durch Geschwindigkeit, sondern durch Innehalten. Nicht durch Lautstärke, sondern durch Wahrnehmung. Wie im hohen Norden zeigt sich Richtung oft erst dann, wenn man bereit ist, still zu werden. Diese Haltung prägt mein Schreiben ebenso wie meine Arbeit mit Menschen. Mich beschäftigen Übergänge: jene Momente, in denen Sicherheiten brüchig werden, Orientierung verloren geht und alte Bilder nicht mehr tragen.

In solchen Phasen zeigt sich, wie in der Arktis, oft zuerst Leere und Stille. Doch gerade darin liegt ein Wissen, das gehört werden will. Wenn wir bereit sind, langsamer zu werden, hinzuspüren und dem eigenen Erleben Raum zu geben, kann aus scheinbarem Stillstand neue Richtung entstehen. Aus dieser Erfahrung – persönlich, beruflich und nicht zuletzt in der Begegnung mit der arktischen Landschaft – ist auch mein Buch Die innere Arktis gewachsen. Es versteht sich als leise Einladung, innere Erschöpfungs- und Wandlungsprozesse nicht zu übergehen, sondern sie bewusst zu durchschreiten. In zwölf behutsamen Schritten folgt es den Phasen des Burnouts und verbindet psychologisches Wissen mit Naturbildern, Reflexion und praktischen Impulsen.