Vertrauen

„Das Funktionieren einer Gesellschaft hängt vom Vertrauen ab“,  meinte der Wirtschafts- und Internet-Publizist Tim Cole in seinem Vortrag „Digital Trust“ am 21. Juni 2017 anlässlich der Jahresfeier der Österreichischen Notariatskammer und Notariatsakademie im Wiener Palmenhaus. Cole verwies damit auf den Politikwissenschaftler Robert D. Putnam, der vor einer „sozialen“ Umweltkatastrophe, einem Niedergang des sozialen Kapitals und der damit zusammenhängenden Gefahr für die Demokratie warnt. Ja, Vertrauen ist wichtig. Vertrauen ist die unerschöpfliche Quelle des Erfolgs. Vertrauen wird heute sogar als so wichtig erachtet, dass die Kommunikation für den Aufbau von Vertrauen als „Produktionsfaktor“ eingesetzt wird.

Die Wirtschaftssysteme der modernen Gesellschaften werden immer offener und komplexer und gleichzeitig nehmen aufwendige Organisationsstrukturen, Verfahrensvorschriften und Bürokratieregeln zu. Je mehr diese zunehmen, desto wichtiger werden wiederum der ständige Aufbau von Vertrauen und der Abbau von Ängsten. Dementsprechend sensibel und anspruchsvoll muss der Produktionsfaktor „Vertrauen“ eingesetzt werden. Sicherungs- und Selbstbehauptungskämpfe, Intrigen und Mobbing, Schein-Argumentationen und Ausreden sind in allen Lebensbereichen Gift für das Vertrauen. Kontrollen ebenso. Denn Vertrauen heißt ja, frei von Angst zu sein, nicht kontrollieren zu müssen und nicht zu befürchten, kontrolliert zu werden. Damit wird offensichtlich, warum Vertrauen als neue Währung im Zeitalter von Digitalisierung, Automatisation und eines neues Verhältnisses von Mensch und Maschine gehandelt wird.

Durch die voranschreitende Vernetzung von Menschen (Social Media), Dingen (Internet der Dinge) und Orten (Location Bases Services) steigt die Gefahr von Cyberattacken. Jeder ist heute gefordert, sich mit neuen Risiken auseinanderzusetzen: mit dem möglichen Verlust seiner sensiblen Daten, mit der Verletzung von Urheber- und Persönlichkeitsrechte, mit Cyber Mobbing und ungeeigneten Inhalten im Netz wie Hasskommentaren oder Gewaltszenen. Sowohl Erwachsene wie bereits Kinder. Diese Gefahren tragen nicht zum Aufbau von Vertrauen bei. Viel eher muss ein achtsames soziales, ein liebevolles persönliches Umfeld unterstützt und gefördert werden, in dem ein hohes Maß an Selbst-Vertrauen gedeihen kann. Das setzt „Vertrauensspiralen“ in Gang, die den entspannten, vertrauensvollen Umgang mit anderen Menschen zur eigenen Haltung ermöglichen. Vertrauen kann nur gegenseitig geschenkt werden.

Der Beitrag erschien im Magazin NOTOBENE Nr. 3/2017.