Systemisches Denken

Manche sagen „alles ist mit allem verbunden“, andere benennen das Phänomen „systemisch“, gemeint ist, dass jeder Mensch in irgendeiner Form Teil eines Systems ist. Solch ein System kann beispielsweise ein Büroteam, die Familie oder eine Freundesgruppe sein. Innerhalb solch einem System stehen Menschen miteinander in Beziehung und sind verbunden. Sie beeinflussen sich sozusagen gegenseitig in ihrem Handeln und Verhalten. Die Dynamik, welche dadurch entsteht, ist komplex und vergleichbar mit jener eines Mobiles, einem frei hängenden, ausbalancierten, leichten Gebilde. Wird ein Teil durch einen Windhauch oder kleinen Anstoß in Bewegung versetzt, bewegt sich das gesamte Gebilde.

Genau dieses feine, systemische Denken ist heute bedeutend, wenn versucht wird in zwischenmenschlichen Fragestellungen Lösungen zu finden. Denn mit heute ist eine Welt gemeint, welche sich in den letzten Jahren dramatisch verändert hat. Wir sind global. Wir sind vernetzt. Wir kommunizieren in Echtzeit und rund um den Erdball. Wir haben ein verändertes Verhältnis von Zeit und Raum. Getrieben von technologischen Entwicklungen wurde eine Welt geschaffen, die der Mensch selber nicht mehr verstehen kann, weil sich sein Denken nicht in derselben Geschwindigkeit mitverändert hat. Die deutsche Philosophin Natalie Knapp meinte dazu: „Es ist dieser Unterschied zwischen kompliziert und komplex, der für das Denken des 21. Jahrhunderts kennzeichnend ist.“

Dem gegenüber steht, dass die menschliche „Spezies an der vertrauten, tröstlichen Gleichförmigkeit der gewohnten Denkweisen hängt“, wie die amerikanische Biologin Lynn Margulis anmerkte. Wie lassen sich dann heute gemeinsame Berufs- und Lebenswege erfolgreich gestalten? Zuallererst indem bewusst wird, dass zwischenmenschliche Fragestellungen niemals lediglich einen einzelnen Menschen betreffen, sondern Ausdruck eines „Staudammes“ eines sozialen Systems sind. Und dass eine lösungsorientierte Veränderung eines Systems stets bei der Kommunikation anfängt. Damit ist die Kommunikation zwischen Menschen gemeint, und nicht unter Maschinen! Denn mit der Komplexität von lebenden sozialen Systemen – von der Mikrobe bis zu Menschen in Organisationen – angemessen und lösungsorientiert umzugehen, heißt, sich das Zusammenwirken und damit auch die Verantwortung, die alle Beteiligten am Zustandekommen einer Situation haben, anzusehen. 

Der Beitrag erschien im Magazin NOTOBENE Nr. 3/2018.